History of Gambia
Meine Hochzeit verlief zeitgleich mit dem Putsch Jawaras.
Als ich 1994 in Gambia war um dort meinen Mann zu heiraten, wurde der Staatschef Jawara, der 34 Jahre im Amt war und in dieser Zeit wiederholt geputscht wurde, erneut seines Amtes enthoben. Er galt als korrupte Marionette Englands und er sollte endlich abdanken. Die Menschen liefen auf die Straße um Yahya Jamme zu sehen, das war der Mann, der Jawara und seine Leute über Nacht, still und leise abserviert hatte. Er besetzte alle strategisch wichtigen Positionen und der Putsch lief, soweit ich es mitbekommen habe, gänzlich unblutig ab. Vor lauter Menschen konnte ich allerdings nicht viel von ihm sehen.
Dafür wurden wir in der nächsten Tagen häufig kontrolliert. Ein Vorfall war besonders lustig. Ich saß in einem Bus als die Soldaten den Bus betraten und alles und jeden kontrollierten. Das war genau einen Tag nach dem Putsch. Ich sollte meine Tasche ausleeren und die Tampons die in leuchtend bunten Papier eingewickelt waren und die durch den ganzen Bus rollten zogen nicht nur die Aufmerksamkeit der Soldaten, sondern sämtlicher Businsassen auf sich. Das war mir schon etwas peinlich, glücklicherweise musste ich nicht erklären was das für Dinger sind. Man hielt sie wohl nach eingehender Kontrolle für harmlos.
Gambia hat eine bewegte Geschichte die ich hier in Kurzform darstellen möchte.
Amtssprache des westafrikanischen Landes ist Englisch. Afrikanische Sprachen: Wolof, Djola, Malinke und andere afrikanische Sprachen. Gambia liegt am Fluss des gleichnamigen Flusses Gambia. Die Hauptstadt heißt Banjul und wurde zur Kolonialzeit Bathurst genannt. Am 18 Februar 1965 wurde Gambia unabhängig.
1446 erreichten die ersten Europäer Gambia. Es waren portugiesische Seefahrer die als erste Europäer in Gambia anlegten. Sie wurden von den einheimischen angegriffen, die sich vor den hellhäutigen fremden Menschen fürchteten. Viele Seefahrer wurden dabei getötet und kehrten nicht mehr in ihre Heimat zurück. Es dauerte jedoch nicht allzu lange bis die Europäer auch dieses afrikanische Land eroberten und kolonialisierten
1588 verloren die Portugiesen die Handelsrechte in Gambia, Portugal wurde damals vom spanischen Thron geführt, und als die spanische Armada von den Engländern vernichtend geschlagen wurde, erlangte England die Handelsrechte.
Im 17. Jahrhundert erwarb Herzog Jakob Kettler eine kleine Insel vor Gambia und etwas Land am Nordufer des Flusses. Die deutsch-baltischen Siedler lebten unter Gouverneur Otto Stiel in Freundschaft mit den Einheimischen. Sie waren von Herzog Jakob angehalten, deren Sprache zu lernen und deren Sitten und Religion zu respektieren. Der Herzog behandelte die Könige der gambischen Staaten als gleichgestellte Herrscher und beschenkte sie reich. Die afrikanischen Herrscher, dankten es ihm durch tatkräftige militärische Unterstützung gegen niederländische Eindringlinge. Dennoch wurden die kurländischen Besitztümer von der Niederländischen Westindien-Kompanie im Februar 1659 besetzt.
In der Folgezeit wechselte James Island mehrmals den Besitzer, mehrere europäische Nationen, private Kaufleute und Piraten hatten Interesse an dieser Insel. 1660 wurde in England eine neue Handelskompanie die Company of Royal Adventures trading to Africa gegründet. Sie sollte den Handel zwischen Westafrika und England wieder neu beleben.
Die Franzosen, die ihre erste Siedlung im heutigen Senegal 1626 gegründet hatten, konnten sich in der Zwischenzeit am Unterlauf des Senegal durchsetzen. Die 1673 gegründete französische Handelsgesellschaft Senegal Company konnte mit den einheimischen Herrschern in Nuimi Verträge abschließen, die es ihr erlaubten, 1681 bei Albreda in der Nähe von Juffure und James Island eine Handelsstation zu eröffnen. Drei Jahre später übernahm die RAC die Gambia Adventurers. Ganz Senegal wurde vom Januar bis zum Juli 1693 von den Engländern besetzt. Auch James Island und damit die gesamte politische und wirtschaftliche Herrschaft im Fluss blieb für hundert Jahre, seit dem Bau des ersten Forts von 1651, der Zankapfel der Nationen. 1701–1714 gelang es den Franzosen erneut – und in der Folgezeit mehrmals – James Island einzunehmen und zu plündern.
Gambia war wurde also abwechselnd von Portugiesen, Engländern und Franzosen beherrscht, während die Deutschen dort eher nur so etwas wie ein kurzes Gastspiel hatten. Mit dem Pariser Frieden 1763 wurde Gorée wieder an Frankreich abgetreten, die französischen Angriffe dauerten aber an. Die Briten fassten im Mai 1765 ihre Besitztümer am Senegal- und Gambia-Fluss zusammen, die Kronkolinie nannten sie Senegambia.
Am 18 Februar 1965 wurde Gambia als konstitutionelle Monarchie Mitglied im Commonwealth of Nations. Damit wurde eine neue Verfassung, Flagge, Wappen und Nationalhymne eingeführt und der heutige Name Gambias wurde offiziell.Im englischen Sprachgebrauch wird starker Wert auf den Artikel im Namen des westafrikanischen Landes gelegt das fortan "The Gambia" genannt wird. An der Spitzeder Koalitionsregierung stand Premierminister Dawda Jawara, der 1966 zum Ritter geschlagen wurde und damit in den Adelsstand erhoben wurde.
Der Putsch Kukoi Samba Sanyangs
Die relative Stabilität der Ära Jawara wurde Anfang der
1980er Jahre tief erschüttert. Bis zu diesem Zeitpunkt galt Gambia als
„Musterland“ mit einer für afrikanische Verhältnisse vorbildlichen Demokratie.
Politische Gefangene waren unbekannt, die Presse frei und ohne Repressalien.
Aber das Land geriet wirtschaftlich in eine tiefe Krise: Durch eine hohe
Inflation verursacht, stiegen in den Jahren 1979–1980 die Lebenshaltungskosten
fast auf das Doppelte. Die schlechte Erdnussernte von 1981 verbesserte die
Situation nicht. Weitere innenpolitische Probleme, beispielsweise drastische
Steuererhöhungen, bildeten einen Nährboden für radikale Kräfte.
Linksorientierte Extremisten und
anarchistische Kräfte brachten Gambia in eine Krise. Im Oktober 1980 wurde der
stellvertretende Kommandeur der damaligen Polizeikräfte ermordet. Auf eine
kostspielige Berufsarmee wurde zunächst verzichtet, da aufgrund des
gambisch-senegalesichen Verteidigungsabkommens von 1965 senegalesische Truppen
Hilfe leisten konnten. Die beiden Parteien Gambian Socialist Revolutionary
Party (GSRP) und Movement for Justice in Africa-Gambia (MOJA-G), die zur Gewalt
aufgerufen hatten wurden verboten, ihre Anführer verhaftet.
Am 30 Juli 1981 erschütterte erneut ein blutiger Putsch das
Land. Jawara war zur Trauung von Prinz Charles und Lady Diana in London. Die
Rädelsführer sollen aus den Reihen der verbotenen Parteien stammen. Die Zahl
der Toten wurde auf mind. 500 Menschen geschätzt, inoffiziellen Angaben
zufolge soll es sogar bis zu 2000 Tote gegeben haben. Es wurde die Diktatur des
Proletariats ausgerufen und Jawara wurde in Abwesenheit seines Amtes enthoben.
Jawara bat erneut um Hilfe durch senegalesisches Militär und innerhalb von fünf
Tagen wurde der Aufstand niedergeschlagen. Jawara ordnete für vier Jahre den
Ausnahmezustand an, während Sanyang Gerüchten zufolge die Flucht nach Guinea-Bissau
gelang. Dabei soll er Unmengen geraubten Staats- und Privateigentums
mitgenommen haben.
Konföderation Senegambia
Im Nachspiel zum Putsch
unterzeichneten Gambia und der Senegal am 12. Dezember 1982 einen Vertrag, der
die Vereinigung der Streitkräfte, der Währung und des Wirtschaftsraumes in der
Konföderation Senegambia vorsah.
1989 wirde die Konföderation aufgelöst, da sie die Erwartungen nicht erfüllt
hat und es Streitigkeiten zwischen Gambia und Senegal bezüglich von
Bauprojekten und wirtschaftlicher Prioritäten gab.
1983 wurde eine eigene gambische Armee aufgestellt. Jawara
fungierte 1989 als Friedensvermittler im Mauretanisch-Senegalesischen Grenzkrieg.
Die Korruptionsvorwürfe gegen Jawara wurden indes immer lauter. Selbst der
römisch katholische Bischoff des Bistums Banjul schloss sich den Vorwürfen an.